Hoeneß, die AfD und das Deutschland, das er sieht
Uli Hoeneß hat sich wieder zu Wort gemeldet – und diesmal nicht über Fußball. Bei einer Veranstaltung in Frankfurt warnte der langjährige Bayern-Patron vor den Konsequenzen anhaltender Regierungskritik: „Dann haben wir in drei Jahren die AfD in der Regierung." Wenige Tage später legte er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach: Deutschland werde „viel zu schlecht geredet", die Wirtschaft sei längst nicht so angeschlagen wie behauptet. Man muss Hoeneß zugestehen, dass ein Teil seiner Diagnose stimmt. Die neue Bundesregierung hat tatsächlich ein schwieriges Erbe übernommen. Die Bilanz der Ampelkoalition war in zentralen Bereichen – Energiepolitik, Wirtschaftssteuerung, innere Kohärenz – ernüchternd. Das ist unbestritten. Doch daraus folgt keine Immunität gegenüber Kritik. Eine Regierung, die im Wahlkampf Steuersenkungen, Energiesicherheit und wirtschaftliche Erneuerung versprochen hat, muss sich an diesen Versprechen messen lassen – und zwar jetzt, nicht erst nach vier Jahren. Die Frage, wann Kritik erlaubt sei, stellt sich in einer Demokratie nicht. Sie ist permanent erlaubt. Das ist ihr Wesen. Besonders auffällig ist Hoeneß' Blick auf die Wirtschaft. BMW kenne er gut, erklärt er, und „viele Firmen geht es gar nicht so schlecht". Beim VW-Konzern, der den Abbau von 35.000 Stellen plant, gibt er sich gelassen: Solange Milliarden verdient würden, könne es so schlimm nicht sein. Eine Argumentation, die an der Realität Hunderttausender Beschäftigter schlicht vorbeigeht. Seinen Appell an die Arbeitnehmer – mehr arbeiten, auch gern kostenlos – mag man als unternehmerischen Reflex verstehen. Doch er verfehlt den Kern des Problems: Wer in Deutschland mehr arbeitet, behält nach Steuern und Abgaben oft erschreckend wenig davon. Leistung wird strukturell nicht belohnt. Das ist kein Stimmungsproblem, das sich durch Optimismus lösen lässt. Und schließlich: Wer eine demokratisch gewählte Partei als Schreckgespenst instrumentalisiert, um Kritik an der Regierung zu delegitimieren, betreibt keine politische Analyse. Er betreibt Einschüchterung. Das steht einem Mann, der nach eigener Auskunft die Schweiz als persönliche Alternative sieht, falls die politischen Verhältnisse sich verändern, schlecht zu Gesicht.